Himmel und Hölle

Kristof Balser / Mario Kramp / Jürgen Müller / Joanna Gotzmann (Hg.): "Himmel und Hölle". Das Leben der Kölner Homosexuellen 1945 - 1969. Köln: Emons Verlag 1994, 274 Seiten, zahlreiche Abbildungen (vergriffen).

Zwischen "Himmel und Hölle" (so der Name eines Kölner Homosexuellenlokals) bewegte sich das Leben der Kölner Homosexuellen vom Kriegsende bis zur Reform des § 175 im Jahr 1969. Juristisch wurde an das Strafrecht der NS-Zeit angeknüpft und nicht an die liberalere Tradition der Weimarer Republik. Die Argumentation des Bundesverfassungsgerichts erinnert dabei fatal an die NS-Ideologie. Als ideale Lebensgemeinschaft galt die Familie, und die Jugend musste vor dem "homosexuellen Verführer" geschützt werden. Die blühende Subkultur der Weimarer Zeit war von den Nazis zerschlagen worden, doch auch in der Adenauer-Ära war das Leben für die Homosexuellen nicht einfach. Versteckt leben, angepasst leben, unauffällig leben  - das kennzeichnete den Alltag der Homosexuellen. Die Aktivitäten des Jugendamtes, in den 50er und 60er Jahren für den Jugendschutz und damit auch für die Bekämpfung der Homosexualität zuständig, lassen einen Blick in die Verfolgungspraxis von Behörden zu, jenseits von Festnahmen und Verhören durch die Polizei. Anhand von Zeitzeugeninterviews, bis dahin nicht ausgewerteten Akten von staatlichen und kirchlichen Stellen, von Parteiakten und anhand der Hetero- und Homopresse der 50er und 60er Jahre zeichnen die Autoren ein lebendiges Zeitpanorama.

Aus dem Inhalt:
  • Die Subkultur im neuen Köln
  • Orte anonymer Lust
  • Das homosexuelle Männerbild
  • "Schwule" Filme in der Kölner Presse
  • Die Entstehung der Lederszene
  • Homosexuelle und Karneval im Köln der Nachkriegszeit
  • Polizei und Behörden gegen Homosexuelle
  • Der Volkswartbund im Kampf gegen Homosexuelle
  • Der Fall Grobben
  • Zeitzeugen berichten