Weimarer Republik
1919
In einem Leserbrief in der "Freundschaft" beklagt Peter aus Köln, dass es hier, anders als in Berlin, noch keinen Freundschaftsbund gibt.

Die Brüder Robert und Karl Oelbermann gründen bei Neroth in der Eifel den Nerommenbund (später "Nerother Wandervogel"). Sie selbst sind homosexuell und Robert wird von den Nazis deswegen verfolgt (1941 im KZ Dachau ermordet). Die "Nerother" sind ein reiner Jungenbund und für ihre Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Neigungen ihrer Mitglieder bekannt. In Köln treffen sie sich in einem Turm der Hohenzollerbrücke (31.12./1.1.1920).

1920

Nach dem Vorbild anderer Städte gründet sich auch in Köln ein Freundschaftsbund, der "Geselligkeits-Klub Harmonie". Klublokal ist das Restaurant Dahlhaus, Hahnenstraße (Herbst).

Magnus Hirschfeld hält im Lesesaal der Lesegesellschaft einen Lichtbildervortrag zum Film "Anders als die Anderen", dem ersten Film, der sich für die Gleichberechtigung der Homosexuellen einsetzt (16.11.).

Anfang der 20er Jahre "Größte Sehenswürdigkeit von ganz Westdeutschland" (Eigenwerbung), zumindest aber das führende Homosexuellenlokal in Köln ist die "Tempelhof-Diele", Deutzer Freiheit 35, Inhaber Wilhelm Dix. Das Lokal ist bekannt für seine vielfältigen Bälle.

1921

Ernst Bertram (1884-1957), Germanist und Dichter, wird zum Ordinarius für Deutsche Philologie an die wiedereröffnete Universität berufen. Von 1906 bis zu dessen Tod 1934 ist er mit dem Germanisten und Kalligraphen Ernst Glöckner befreundet; 5000 nicht veröffentlichte Briefe und Karten sind der Niederschlag dieser Liebesbeziehung. 1946 wird Bertram wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten amtsenthoben. Er stirbt 1957 und wird an der Seite seines Freundes beigesetzt.

1922

Gründung des Geselligkeitsclubs Harmonie. Die Gründungsfeier und weitere Veranstaltungen finden im Lokal Zur Waldschenke  in Thielenbruch statt. Das Clublokal befindet sich in der Weyerstr. 106. Mittwoch und Samstag ist Clubabend, Vorträge und Feste sind die Hauptaktivitäten des Vereins.

Die Freundschaft, Heft 51/52 (1922)

1923

Der Geselligkeitsclub "Harmonie" geht im "Bund für Menschenrecht" auf.

1924
In den "Blättern für Menschenrecht" wird ab April für die Kölner Ortsgruppe des "Bund für Menschenrecht" kein Treffpunkt mehr genannt - Zeichen für den Niedergang der Gruppe. Neugründung einer Gruppe im November: "Dieselbe nimmt noch einwandfreie Damen und Herren auf und werden dieselben gebeten, sich an die Lagerkarte 2, Postamt 8, zu wenden" ("Die Insel", Heft 2, 14.11.1924).
Mitte der 20er Jahre In der Friedrichstr. 15, an der Weyerstraße, eröffnet Fr. Heydmann das "Dornröschen", in der Folge Kölns beliebtestes Homosexuellenlokal (Geschäftsführer S. J. Mombour). Das Dornröschen ist ab 1928 Clublokal des "Bund für Menschenrechte" und der "Gesellige Vereinigung Einigkeit". Regelmäßig werden festliche Bälle veranstaltet und Travestiekünstler wie Tilla und Resi treten auf.

Tilla, "die lustige Kölnerin", trat bis 1933 im "Dornröschen" auf; sie überlebte die Zeit des Nationalsozialismus nicht.

1925
In Köln werden 284 Personen wegen des Verdachts der "Päderastie" angezeigt, 139 werden festgenommen (über die Zahl der Verurteilten gibt es keine Angaben). 41 Anzeigen werden wegen Erpressung aus § 175 RStGB erstattet, es erfolgen 22 Festnahmen.

1927
In der Liste der Ortsgruppen des "Bund für Menschenrecht" wird Köln nicht mehr aufgeführt

Die Verwaltungskonferenz des Ausschusses für städtische Säle und Wirtschaften lehnt es ab, den Gürzenich-Saal für einen Vortrag von Dr. Magnus Hirschfeld zur Verfügung zu stellen (16. und 23.9.). Hirschfeld muss seinen Vortrag "Das Recht auf Liebe. Die sexuelle Krise" im Reichshallentheater abhalten. Auch 1928 und 1930 werden ähnliche Anträge abgelehnt. Die Rheinische Zeitung kommentiert: "Das muss grundsätzlich umso eigenartiger erscheinen, als derselbe Saal wüsten Schwadroneuren vom Schlage des Nationalsozialisten Ley jederzeit zur Verfügung zu stehen scheint" (7.5.1930).

1928
Neugründung der Kölner Ortsgruppe des "Bund für Menschenrecht". Der Inhaber des "Dornröschen", Fr. Heydmann vertritt die Gruppe Ostern auf dem Bundestag des "BfM" in Hamburg. Bis 1933 ist das "Dornröschen" Klubhaus des "BfM".

1929
Der Bund für Menschenrecht beklagt in seiner Zeitschrift "Menschenrecht", dass sich in vielen Städten im Deutschen Reich, u. a. auch in Köln, die Ortsgruppe des "Bundes" aufgelöst habe. Als Gründe werden behördliche Schikanen und polizeilicher Druck auf die Gastwirte genannt (Januar).