Von 2000 bis 2009
2000
Die Firma Büchel & Dick, Vorzeigeunternehmen der schwul-lesbischen Community ("Lulu", "Gloria", "Brennerei Weiß") stellt ihre Geschäftstätigkeit ein (7.2.).

Erster offizieller Auftritt des Kölner Karnevals-Dreigestirns mit Prinz Ralf II. an der Spitze auf der Rosa Sitzung, begleitet Hans-Horst Engels, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, und Oberbürgermeister Harry Blum (20.2.).

Der Künstler Gunter Demnig beginnt seine "Skulptur des Erinnerns" zu realisieren: vor den Häusern von NS-Opfern lässt er zehn mal zehn Zentimeter große Messingtafeln in den Gehweg ein, auf denen an ehemalige Hausbewohner erinnert wird: Juden, Sinti und Roma, politische Widerständler, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Euthanasie-Opfer. "Erinnern gehört zurück in den Alltag", begründet er seine Aktion. Und: "Es hat mitten unter uns angefangen, mit ganz normalen Nachbarn" (April).

Der Platz Lindenstraße/Ecke Händelstraße wird nach Jean-Claude Letist (> 28.2.1990) benannt (29.6.).

Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus. Verlesen wird ein Grußwort von Pierre Seel, Überlebender des KZ Natzweiler (1.7.).

700.000 Teilnehmer/innen und Zuschauer/innen und 120 Wagen beteiligen sich an der CSD-Parade (2.7.).

Der SC Janus organisiert die schwul-lesbische Fußballweltmeisterschaft auf den Jahn-Wiesen. Im Endspiel des Männerturniers  besiegen die "London Lions" den Titelverteidiger "Cream Team Cologne" mit 1:0. Den Frauentitel gewinnt "Towanda Düsseldorf"  nach einem 9:1 Sieg über die "MüKöwuwas" aus Münster und Köln (2.-8.10.).

2001

Durchsuchungsaktionen mit Personalienfestellung in den Saunabetrieben der Phönix-Gruppe in Köln, Düsseldorf und Essen. Für den Vorwurf, dort seien Minderjährige als Prostituierte beschäftigt, werden keine Beweise gefunden. Von einer Entschuldigung der Polizei für die völlig überzogene Aktion wird nichts bekannt (19.1.).

Auf der "Rosa Sitzung" im Gloria outet sich der Düsseldorfer Karnevalsprinz Peter IV.: "Ich han ene kölsch Jung" (21.1.).

Als "Pionier der Sitcom im deutschen Fernsehen" wird der Schauspieler Dirk Bach von der Programmzeitschrift "Hörzu" mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet (9.2.)

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Köln beschließt, "gleichgeschlechtliche Paare in verbindlichen Lebensgemeinschaften" kirchlich zu segnen. Die Zeremonie muss sich aber deutlich von einer Trauung unterscheiden; es erfolgt auch keine Registrierung in den Büchern der Gemeinde (März).

Der Max-Spohr-Managementpreis des "Völklinger Kreises" wird in Frankfurt am Main an das Kölner Unternehmen Ford Deutschland verliehen. Gewürdigt wird das Diversity-Konzept der  Firma, nach dem die Vielfalt der Menschen, ungeachtet des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Herkunft oder der körperlichen Verfassung, geachtet und als positiv für das Unternehmen gewertet wird (5.4.).

Wegen finanzieller Schwierigkeiten müssen Bockmayer & Bührmann das "Theater im Kaiserhof" aufgeben (April).

In der Fachhochschule Veranstaltung zum Gedenken an die Bücherverbrennung, die am 17. Mai 1933 vor dem damaligen Universitätsgebäude stattfand (siehe 1933). Zur Erinnerung an die verfolgten Schriftsteller wird vor dem Gebäude mit der Installation eines Bodendenkmals begonnen, das auf  Steinplatten Namen von Betroffenen nennt. 2005 werden u. a. Platten für Erika Mann und Hans Mayer verlegt (17. Mai).

In Tübingen stirbt der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Hans Mayer (geboren am 19. März 1907 in Köln). In seiner erstmals 1975 erschienenen Untersuchung "Außenseiter" beschäftigt er sich mit der literarischen Darstellung dreier diskriminierter Gruppen unserer Gesellschaft: der Frauen, der männlichen Homosexuellen und der Juden (19. Mai).

120 Wagen und 750 Tausend Zuschauer/innen und Teilnehmer/innen machen die Kölner CSD-Parade erneut zur größten in Europa (8.7.).

Vor Regierungs- Präsident Roters besiegeln Herbert Behrendt und Hans Walter Michael aus Sülz als erstes Kölner Homo-Paar ihre Lebenspartnerschaft. Das erste lesbische Paar sind Monika und Birgitta Scheffler, je zwei Kinder, aus dem Bergischen Land (1.8.).

Mit der Revue "Wer Liebe sucht ..." machen Bockmayer & Bührmann im renovierten "Gloria", Apostelnstraße, einen Neuanfang (1.9.).

Erstmals wird in Köln ein schwules Paar offiziell in einer evangelischen Kirche gesegnet. Bernd Heiß und Hans-Peter Wolf hatten ihre Partnerschaft zwei Wochen vorher im Regierungspräsidium registrieren lassen - Voraussetzung für die Zeremonie in der Antoniter-Kirche (9.9.).

Jan Krüger von der Kölner Kunsthochschule für Medien erhält für seinen 21-Minuten-Film "Freunde", die Liebesgeschichte zweier Jungen, auf den Filmfestspielen in Venedig einen "Silbernen Löwen" (9.9.).

Von Protesten christlicher Fundamentalisten begleitet hat "Corpus Christi", ein Theaterstück des US-Autors McNally im "Theaterhaus" Ehrenfeld Premiere. Es geht darin um einen gewissen Joshua, der zwölf trinkfreudige Jünger um sich geschart hat. Stein des Anstoßes ist vor allem die Liebesgeschichte zwischen Joshua und Judas, deren Scheitern Judas zum Verrat an Joshua veranlasst (2.10.).

Die Premiere des Dramas "Corpus Christi" des US-Autors McNally im "Theaterhaus" Ehrenfeld war von Protesten christlicher Fundamentalisten begleitet.

Am Hohenzollernring, wo die Erfolgsstory begann, wird die Disco "Lulu" wiedereröffnet, als "Lulu III" (12.10.).

2002
Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus steht in Köln diesmal im Zeichen der Erinnerung an die lesbischen und schwulen Opfer des Nationalsozialismus. Einer Gedenkfeier in der überfüllten Antoniterkirche schließt sich ein Gedenkgang von mehreren hundert Menschen durch die Innenstadt zum Mahnmal für die lesbischen und schwulen Opfer des Nationalsozialismus im Rheingarten an (27.1.).

Redebeitrag von Bodo Busch, AK Lesben und Schwule, ver.di Köln.

Nach fast 34 Jahren muss das "George Sand" am Marsilstein schließen. Das Frauencenter, Künstlerkneipe und Lokal, in dem sich Frauen treffen konnten, war zusammen mit seiner Patronin, Ma Braungart, eine Kölner Institution. Es muss einem Edel-Restaurant weichen (12.2.).

Der Europride, Europas größtes schwul-lesbisches Event, findet dieses Jahr in Köln statt. Motto "Köln feiert Vielfalt". Höhepunkt des umfangreichen Veranstaltungsprogramms ist die Parade am 7. Juli (15.6 bis 7.7.).

Postkarte zur Europride Gala im Maritim zugunsten der Aids-Hilfe Köln.

Der Auftritt des kirchlichen Jugendchors St. Stephan bei der Auftaktveranstaltung des Europride wird vom Erzbistum Köln verboten (Kölner Stadtanzeiger, 4.7.).
2003
Insolvenz der Queer-AG, die seit 1999 die bundesweit größte Monatszeitung für Schwule, Lesben, Bis und Transgender herausgab (20. Januar).

In der Reihe "Schriften des NS-Dokumentationszentrums" erscheint unter dem Titel "Ausgrenzung der Homosexuellen aus der 'Volksgemeinschaft' - Die Verfolgung der Homosexuellen in Köln 1933 - 1945"  (Verfasser Jürgen Müller) eine umfassende Untersuchung  über das Schicksal der homosexuellen Männer unter der NS-Diktatur (Mai).

Unter dem Motto "Liebe deine Nächsten" zieht die CSD-Parade durch die Kölner Innenstadt. 750.000 Menschen säumen den Zugweg, etwas weniger als beim Rekord-CSD des letzten Jahres (6. Juli).

Die Farben des Regenbogens bestimmen die CSD-Parade.

Der Kölner Erzbischof, Josef Kardinal Meisner, erklärt in einer Rede in Budapest, dass er in Homosexuellen, Nach-Achtundsechzigern, Fortschritts- und Wissenschaftsgläubigen, Drogensüchtigen und Terroristen eine Bedrohung für die Werteordnung Europas sieht. "Der europäische Mensch muss diese Gifte ausschwitzen." (24.10.)  Der LSVD und mehrere Einzelpersonen erstatten Anzeige wegen Volksverhetzung. Das Ermittlungsverfahren wird Anfang Februar 2004 von der Kölner Staatsanwaltschaft eingestellt. Begründung: Meisners Recht auf freie Meinungsäußerung.

Nach 80 Monaten und 128 Vorträgen geht ein Literatur-Marathon zu Ende: die öffentliche Lesung von Marcel Prousts Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (4.11.; siehe März 1997).

2004
Den Sonderpreis des deutschen Kabaretts 2003 erhält im Nürnberger Burgtheater das Kölner lesbisch-schwule Chanson-Duo Duotica. Marion Scholz und Holger Edmaier sind seit drei Jahre auf deutschen Kabarett- und Kleinkunstbühnen unterwegs (11. Januar).

Kabarett-Preis für Duotica.

Die Phoenix-Gruppe eröffnet in der Richard-Wagner-Str. ihre vierte Gay-Sauna, die zweite in Köln (1.2.).

Martin Sölle vom CSG und Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin, erhalten die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW (3. Juli; Up-Town-Artikel zur Verleihung).

Hermann Götting (1939 - 2004), kölsches 0riginal und leidenschaftlicher Sammler von Zeugnissen der Alltagskultur, stirbt an einer Lungenentzündung (19. September).

Mit der Ausstellung "Das Gedächtnis der Orte" im NS-Dokumentationszentrum erinnert Sabine Würich an Orte der nationalsozialistischer Verbrechen in Köln; zusätzlich erinnern an authentischen Plätzen 8 Großplakate an den NS-Terror; an der Hohenzollernbrücke weist ein solches Plakat auf die Razzien der Nazis gegen homosexuelle Männer hin (30. September bis 14. November).

Fast 28 Jahre bestand der Frauenbuchladen Rhiannon - er  muss aus wirtschaftlichen Gründen schließen (1.10.).

2005

Die Journalistin und Autorin Alice Schwarzer wird für ihren Einsatz für gleiche Rechte und Chancen von Frauen und Männern mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet (14.1.).

Volker Beck (B90/Die Grünen) wird als einer von "40 Heroes" der schwul-lesbischen Menschenrechtsbewegung auf dem Equality Forum in Philadelphia für seinen Einsatz für die Gleichberechtigung homosexueller Menschen geehrt (1. Mai).

Vom Kölner Amtsgericht wird die erste schwule Lebenspartnerschaft offiziell geschieden (Express, 3.12.).

In einem Festakt hat die Universität Köln akademische Titel wieder anerkannt, die während des Nationalsozialismus ihren Trägern aus "politischen und rassischen Gründen" entzogen worden waren. Unter den Betroffenen waren auch mehrere, die wegen ihrer Homosexualität für unwürdig zum Tragen eines akademischen Titels erklärt worden waren. Von den Betroffenen lebt keiner mehr. (12.12.) Näheres in einer Publikation: Margit Szöllösi-Janze/Andreas Freitäger: "Doktorgrad entzogen!" Aberkennung akademischer Titel an der Universität Köln 1933 bis 1945. Nümbrecht: Verlag W. Kirsch 2005.

2006
Queergestellt protestiert auf der Domplatte gegen den Angriff von Ultrakonservativen und Neonazis auf den Warschauer Gay-Pride und die staatsoffizielle Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgender in Polen (23.Juli).

2008
In Weidenpesch beginnen die Bauarbeiten zu einem Wohnprojekt der Aidshilfe Köln, das Menschen mit HIV und AIDS, die nicht mehr allein leben können, ein neues, betreutes Zuhause bietet (29.10.).

2009
Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Der Verlust an Dokumenten und die Folgen für die schwule und lesbische Geschichtsforschung sind noch nicht abzusehen (3. März; Näheres in einem Artikel der RIK).

Eine breite Ratsmehrheit beschließt die Einrichtung eines "Referats für Lesben, Schwule und Transgender". Das Referat soll Ansprechpartner für die speziellen Belange der Betroffenen sein und die Geschäftsführung für die Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender übernehmen (30.06.; Näheres hier).