Frühe Bundesrepublik
1945
Die Stadt liegt in Trümmern. Der Zusammenbruch des NS-Regimes weckt für kurze Zeit die - vergebliche - Hoffnung auf die Abschaffung des § 175 als Nazi-Unrecht. Die Trümmergrundstücke werden zum "Cruisen" genutzt - auch wenn es den Begriff damals noch nicht gibt.

1947
Der Journalist Johannes Werres beschreibt die Atmosphäre in Köln als "eiskalt-abweisende" gegenüber der Homosexualität.

1949
Heinrich Bölls Erzählung "Der Zug war pünktlich" erscheint. Sie thematisiert u. a. Homosexualität an der Front bzw. unter Soldaten. Eine wichtige Rolle spielt ein Unteroffizier, der seine Soldaten in zweierlei Hinsicht verführt: zur Homosexualität und zum Nationalsozialismus. Einen verheirateten Familienvater, der sich ihm als einziger verweigert, bringt er heimtückisch um. Für Böll, der sich in vielen anderen Texten für Minderheiten und Außenseiter einsetzt, ist Homosexualität eine "eitrige Wunde" des Krieges und des Nationalsozialismus oder Ausdruck der Verderbnis der in der Kontinuität zum Nationalsozialismus stehenden bundesrepublikanischen Oberschicht ("Billard um halb zehn"). Auch in anderen Werken wird seine homofeindliche Position deutlich. Von Verständnis für die verfolgte Minderheit der gleichgeschlechtlich Liebenden ist Heinrich Böll weit entfernt.

1951
Auf Antrag von Theo Burauen, SPD-Stadtrat und später OB, lehnt der Stadtrat die Privatisierung der öffentlichen Toiletten ab, damit die Stadt weiterhin die Möglichkeit hat, dort gegen Strichjungen und Homosexuelle vorzugehen (10.10.).

1955
In der beim Kölner Polizeipräsidium geführten Homosexuellenkartei sind 4679 Personen erfasst, davon 1093 straffällig gewordene, aber auch 3586, die lediglich als homosexuell verdächtig gelten.

1960
Kurt Bartels gestorben. Bartels' Verurteilung war 1938 Anlass zu einer Sonderaktion gegen Kölner Homosexuelle.

1963
Im Jugendamt wird ein Arbeitsbereich "Maßnahmen gegen Homosexuelle Umtriebe" eingerichtet.

1964
Gründung des ersten Lederstammtischs.

Titelblatt einer Publikation aus dem Jahr 1994 aus Anlass der Gründung des ersten "Lederstammstischs" in Köln (1964)

1965

Der WDR sendet die erste Fernsehdokumentation über Homosexuelle (Autor: Peter von Zahn).

1966
Der Kölner Journalist und Schriftsteller Felix Rexhausen veröffentlicht "Lavendelschwert", die Dokumente einer fiktiven Schwulen-Revolution im Adenauer-Deutschland.

Felix Rexhausen, Autor des Lavendelschwert.
Foto: www.felix-rexhausen-preis.de (1966)

Nachdem er bei einer Razzia auf der Klappe vor dem Polizeipräsidium am Waidmarkt verhaftet worden war und in die Schlagzeilen der Boulevardpresse geriet, tritt der Kölner Regierungspräsident Franz Grobben "aus gesundheitlichen Gründen" zurück. Gestorben 1994 (8.6).

Auf einer von der "Sozialistischen Jugend Deutschlands" in der "Brücke" veranstalteten Podiumsdiskussion, sprechen sich unter lautstarker Zustimmung der 200 Besucher zwei von drei Diskutanten für die sofortige Abschaffung des § 175 aus (Generalstaatsanwalt Dr. Bauer, Frankfurt und CDU-MdB Köppler); einzig Rechtsanwalt Unger, Köln, wendet sich  zur Schonung des Volksempfindens und zum Schutz der Jugend gegen die Abschaffung des § 175 (Express, 12.11.).
1968
Gründung des ersten kontinentaleuropäischen Lederclubs in Köln: MS (Motorradsportclub) Panther Köln e.V.

Bezeichenderweise an Wieverfastelovend eröffnet die ehemalige Balletttänzerin Ma Braungart am Marsilstein ihr Frauenkulturcenter "George Sand" (22.2.).

Spezialbeamte des Sittenkommissariats der Kripo sollen die 25 städtischen öffentlichen Toiletten noch schärfer als bisher überprüfen. Ziel der Aktion: Die zahlreichen Homosexuellen, die dort nach "Artgenossen" suchen, sollen "an die frische Luft gezwungen" werden. Den Beginn des "Feldzugs"  legt die Kripo bewusst auf den 17.5.

Aus: Incognito Guide, Winter 1967-68

1969
Das erste Plakat mit einem nackten Mann (fotografiert vom Kölner Fotografen Peter H. Fürst) wird publiziert. Es ziert bis in die 70er Jahre hinein viele Kölner Schwulenkneipen.

Foto: © Peter Fürst (1969)

Razzia der New Yorker Polizei in der Schwulenbar "Stonewall Inn" in der Christopher Street. Die folgenden Auseinandersetzungen gelten als Beginn der neuen Lesben- und Schwulenbewegung. Die jährliche Paraden am CSD (Christopher Street Day) erinnern an diese Ereignisse (27.6.).

Strafrechtsreform: Sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern (Altersgrenze 21 Jahre, ab 1973 18 Jahre) werden straffrei (1.9.).