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Was ist die G.L.F.?

G.L.F. ist die Abkürzung für "gay liberation front", zu deutsch etwa: homosexuelle Emanzipationsbewegung. Unsere Freunde in Amerika und England haben in den letzten Jahrzehnten einen speziellen Wortschatz für Homosexuelle entwickelt. Das Wort "gay" ist eines davon, "gay" ist ein Synonym für homosexuell. In der Sprache der Heterosexuellen dort bedeutet "gay" soviel wie lustig, heiter, lebhaft, glänzend, fröhlich, frech. Es ist im Englischen ein Wort voller Humor, wer immer es auch sagt. Das Wort "Gay" ist von den Homosexuellen vieler Nationen angenommen worden und langsam beginnt es als eine internationale Bezeichnung aufzutauchen. Es meint einen besonderen Menschentyp, eine besondere Mentalität, den Homosexuellen.

Die G.L.F.-Köln ist eine Organisation für Homosexuelle, für alle Homosexuellen, die Tunten, die Transvestiten, die Homophilen usw. Alle müssen mitarbeiten. Nur eine geschlossene Gruppe kann etwas erreichen.

Unsere wichtigste Aufgabe ist die Verteidigung der unmittelbaren Interessen homosexueller Menschen gegen Diskriminierung und soziale Unterdrückung. Der homosexuelle Mensch muß die Gewißheit gewinnen, daß er nicht länger isoliert ist. Wir wollen keine Toleranz, sondern volle Emanzipation.

Dabei wollen wir nicht radikal sein, Radikalismus ist der Feind jeglicher Vernunft. Wir wollen keinen Dogmatismus haben, keine lautklingenden Parolen und keine leeren Klischees. Wir wollen keine politische Partei und auch nicht das Instrument einer solchen sein. Wir wollen in der Gesellschaft das Vorurteil gegen uns abschaffen. Lange genug haben wir Theater gespielt!

Neben dieser Arbeit nach außen beabsichtigen wir aber auch, soziale Arbeit innerhalb der Homosexuellen selbst zu leisten. In der G.L.F.-Köln möchten wir einen Raum schafen, in dem der Homosexuelle selbst zur eigenen Emanzipation findet, d. h. die Anerkennung der eigenen Sexualität.

Wir haben einen festen Treffpunkt, und zwar jeden Donnerstag, 20.00 Uhr, in der Evangelischen Studentengemeinde, Köln, Bachemer Str. 27.

D. C.

Aus: Rumpelstilzchen, G.L.F.-Köln, Ausgabe 1 vom 3.2.1972, S. 1f. (Archiv des CSG)