Die 1970er Jahre
1971
An zwei Abenden Vorführung des Rosa von Praunheim-Films Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt im City-Kino Ehrenstraße (26. und 27.11.). Wie in vielen anderen deutschen Städten initiierte dieser Film auch in Köln eine Diskussion über Lage der Homosexuellen, die die Gründung von Homosexuellengruppen zur Folge hatte; er gilt  seitdem als Initialzündung der neuen deutschen Schwulenbewegung.

Plakat zu Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt".

Erstes öffentliches Treffen der Gay Liberation Front (glf) Köln in den Räumen der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) in der Bachemer Straße (2.12.).

Was ist die G.L.F.? (aus: Rumpelstilzchen Nr. 1 vom 3.2.1972)

1972
Wahl des ersten glf-Vorstands: Maurice de Clare, Lorenz Eckardt, Ralf Baumgarten, Peter Fürst, Wilfried Rommelaere (13.1.)

Rumpelstilzchen, internes Mitteilungsblatt der glf erscheint erstmals (3.2.).

Gründung der ersten, wenn auch kurzlebigen Kölner Lesbengruppe Homosexuelle Frauen-Aktion. Initiatorin: Gertraut Müller, gestorben 1999 in Berlin.

1973
Ein Kölner Schöffengericht spricht die Inhaber eines Zeitschriftenvertriebs vom Vorwurf der "Verbreitung unzüchtiger Schriften" frei. Begründung: Die Darstellung nackter Männer in einem Homo-Magazin sei so wenig unzüchtig wie die Darstellung nackter Frauen (11.1.).

Auf der Schildergasse machen erstmals mehrere Mitglieder der Homosexuellen Aktion Köln Passanten durch Plakate und Flugblätter auf die Probleme der Homosexuellen aufmerksam (15.1.).

In Münster erste Schwulendemonstration in der BRD (29.3.).

Die glf richtet eine Beratungsstelle ein (Herbst).

1974
Eröffnung des glf-Zentrums in der Dasselstraße 2 (13.9.).

Gründung des glf-Sozialwerks (Herbst).

Flugblatt zur Eröffnung des ersten glf-Zentrums in der Dasselstraße (13.9.1974)
1975
 Erstmals Info-Tisch der glf und der SAK (Schwule Aktion Köln) auf der Schildergasse. Beabsichtigt ist, die Homosexuellen öffentlich sichtbar zu machen (Dezember).

Walter (Wally) Bockmayer und sein Partner Rolf Bührmann eröffnen an der Zülpicher Straße die Filmdose.

1976
Nachdem der Vermieter die Räume in der Dasselstraße gekündigt hat (als Grund führt er "Lärmbelästigung" an), eröffnet die glf ihr neues Zentrum am Marienplatz 3-5 (5.6.).

1977
Nach mehrjähriger Pause erscheint wieder die Zeitschrift unter uns. Untertitel: "für Freundschaft und Toleranz", Schriftleiter Erwin Röll und Horst Beermann, herausgegeben vom Antinoos-Verlag, Köln (Mai).


In der Cinemathek wird der Film Rosa Winkel gezeigt, die erste Dokumentation über die nationalsozialistische Homosexuellenverfolgung und den Kampf der Opfer um Entschädigung (24.5.).

1978
Mit Jutta Schlegel wird die erste Frau in den glf-Vorstand gewählt.

Erstmals nehmen 120 Schwule offen an der Mai-Kundgebung des DGB teil (1.5.).

Der SPD-Ortsverein Köln-Mitte nimmt einen Antrag an, in dem der Polizeibeirat aufgefordert wird, zu untersuchen, "ob es bei der Kölner Kriminalpolizei Karteien gibt, in denen Homosexuelle, ohne dass sie gegen Gesetze verstoßen haben, automatisch geführt werden". (12.9.).

Die Anfrage des SPD-Ortsvereins Köln-Mitte (12.9.) bezüglich der Homosexuellenlisten der Kölner Kripo wird vom Polizeibeirat dahin beantwortet, dass es solche Listen nicht gebe. Der Verfasser des Antrags, Gerd Blömer, wird gleichzeitig von drei Kripo-Beamten und Polizeipräsident Hosse wegen Beleidigung angezeigt. In seinem Antrag hatte Blömer behauptet, die Kripo entsende "Spitzel" in Homotreffpunkte und bei Polizeibeamten gebe es "faschistische Ansichten" (Anfang November / 13.11.).

1979
Helmut Klein, einer der Hauptorganisatoren der frühen Kölner Lederszene und Mitgründer des "Motor-Sport-Club Köln" (MSC), eröffnet in der Stefanstr. 1 sein legendäres Lokal "Amtsschimmel" (heute "Teddy-Treff"). Klein stirbt 1992 in Aachen.

Nach Berliner Vorbild gründen sich die "Schwusos", die erste erste schwule Parteien-Gruppe in Köln (Januar).

Eröffnung des glf-Zentrums in der Roonstraße 59 (19.5.).

Die SAK veranstaltet zum ersten Gay Freedom Day in Köln ein Fest auf dem ehemaligen Stollwerck-Gelände (30.6.).

glf und SAK (Schwule Aktion Köln) organisieren eine Parteienbefragung zu den Kommunalwahlen (21.9.).

Das Kölner Landgericht bestätigt das Urteil der ersten Instanz (vom 30.7.) gegen Gerd Blömer (> 12.9 und November 1978): Blömer wird wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von DM 450 verurteilt. Die homosexuelle Öffentlichkeit, nicht nur in Köln, zeigt ihre Solidarität mit Blömer durch unterstützende Resolutionen und Spenden; der größte Teil der Presse kritisiert das Urteil (30.10.).

Erstes Lesben-Flugblatt wird in Köln verteilt (Herbst).