Troubles in Paradise
30 Jahre Schwulen- und Lesbenzentren in Köln
Die Ausstellung dokumentiert dreißig Jahre Kölner Homogeschichte: die Entwicklung von den glf-Zentren (Treffpunkte der damaligen gay liberation front - glf; heute lglf - lesbian and gay liberation front e.V) über das SCHULZ in der Bismarckstraße zum SCHULZ am Kartäuserwall. In drei Ausstellungsräumen zeigt sie Photos, Dokumente, Plakate, erläuternde Texte und Überbleibsel aus dem damaligem Alltag. Besonders sehenswert sind 22 Filmausschnitte aus den Jahren 1973 bis 1988.

Berücksichtigt wird immer auch das gesellschaftliche Umfeld und die von Diskriminierung geprägte Lebenswirklichkeit von Lesben, Schwulen und Transgendern. Am Anfang suchten die glf-Aktiven händeringend einen Raum, um sich überhaupt unter menschenwürdigen Umständen treffen und die Lawine von hilfe- und ratsuchenden Schwulen bewältigen zu können (glf-Zentren in der Dasselstraße, am Marienplatz und in der Roonstraße von 1974 bis 1985).

Die erstarkte Lesben- und Schwulenbewegung brauchte dann Mitte der achtziger Jahre ein gemeinsames Dach für die damals an die zwanzig Gruppen und Organisationen: das SCHULZ in der Bismarckstraße (1985-94). Anfang der Neunziger wurde die Notwendigkeit immer klarer, das Zentrum für die Bürger und Bürgerinnen offen und zugänglich zu machen, um Vorurteile in der Öffentlichkeit wirksamer abzubauen zu können. Ob das zweite SCHULZ am Kartäuserwall, das im Sommer 2003 geschlossen wurde, diesem Anspruch gerecht wurde, soll hier offen bleiben.

Ein wichtiger Aspekt der Ausstellung ist darüber hinaus, aufzuzeigen, welche Überlegungen und Planungen in den Jahren in die Realität umgesetzt wurden und welche Faktoren für das Spannungsverhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Anspruch und Realisierung verantwortlich waren. Welche Rolle spielten dabei zum Beispiel eine unrealistische politische Anspruchshaltung, die ausbleibende Unterstützung von innen und außen, die Konkurrenz der kommerziellen Subkultur oder der nachlassende Außendruck durch verminderte oder besser abgewehrte oder verlagerte Diskriminierung?

Die Ausstellung will einen Beitrag zur im Allgemeinen nur schwach ausgeprägten Traditionspflege in der Lesben- und Schwulenbewegung leisten. Auch für die Antwort auf die Frage nach einem neuen Schwulen- und Lesbenzentrum in Köln bietet sie Informationen und Anregungen - schließlich muss man das Rad nicht immer wieder neu erfinden.

Gezeigt vom 9. März bis 8. Mai und noch mal vom 11. Juni bis 10. Juli 2005.

An der Theke im glf-Zentrum Roonstraße (ca. 1980)

Das Afrikazimmer im SCHULZ Bismarckstraße (1988)