Registriert
Polizei und Homosexuelle
In der Ausstellung "Registriert" dokumentierte das Centrum Schwule Geschichte einhundert Jahre der nicht immer einfachen Beziehung der Polizei zu den Homosexuellen, der Homosexuellen zur Polizei.

Jahrelang war dieses Verhältnis von Unkenntnis einerseits, Misstrauen andererseits geprägt. Solange es den § 175 gab (endgültig abgeschafft erst 1994), hatte die Polizei die Aufgabe, Verstöße gegen diesen Paragraphen zu verfolgen. Sie bewies dabei beträchtliche Tatkraft und Phantasie: Päderastenpatrouillen im Berliner Tiergarten (auch schon mal als ehrbare Bürgersfrauen verkleidete Polizisten), Stricher-Alben und Homokarteien waren die Mittel, mit denen die Polizei im Kaiserreich ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen versuchte. Oft genug hielt sie sich aber auch an den Rat des Kommissars Stieber von 1860, "in diese schmutzigen dunklen Verhältnisse nicht zu tief einzudringen". Um Erpressungen von Homosexuellen zu stoppen, bahnte sich schon früh eine Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der ersten Homosexuellenbewegung mit Magnus Hirschfeld an.

Duldung und Zusammenarbeit fanden mit dem Untergang der Weimarer Republik ein Ende. Im Dritten Reich gehörte die Polizei zu den staatlichen Organen, die für die schlimmste Verfolgung der Homosexuellen mitverantwortlich waren.

Angst vor der Polizei bestimmte auch das Leben vieler Schwuler in der frühen Bundesrepublik. Das änderte sich langsam mit der Reform des § 175 im Jahr 1969. Es dauerte aber weitere zwanzig Jahre, bis Polizei und Schwulenorganisationen wieder aufeinander zu gingen, diesmal mit der Zielsetzung, gemeinsam Gewalt gegen Schwule zu verhindern. Das Schwule Überfalltelefon, die Notrufsäule am Aachener Weiher oder die Plakataktion "Liebe verdient Respekt" sind u. a. Ergebnis dieser neuen Kooperation. In vielen Polizeipräsidien gibt es inzwischen Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und schwule Polizisten und lesbische Polizistinnen haben sich organisiert und marschieren beim CSD mit.


Zu dieser Ausstellung erschien keine eigene Publikation, zu empfehlen ist aber: Jens Dobler (Hg.): Schwule, Lesben, Polizei. Vom Zwangsverhältnis zur Zweck-Ehe? Berlin: Verlag rosa Winkel 1996.

Aus dem Inhalt:

  • Jens Dobler: "Von Fürsten und anderen Sterblichen" Porträts zur ersten Zusammenarbeit zwischen Schwulenbewegung und Polizei
  • Jörg Hutter: Die Rolle der Polizei bei der Schwulen- und Lesbenverfolgung im Nationalsozialismus
  • Michael Schön: Sitte und Sittlichkeit. Schwule und Polizei in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland
  • Hans Georg Stümke: Die Hamburger Spiegel-Affäre von 1980
  • Hans Jürgen Braun: Homosexualität in der Polizei
  • Gabriele Marach: Von einer Lesbe, die auszog, Polizistin zu werden
  • Norbert Baxmann / Henk van den Boogaard: Niederländische Verhältnisse