Poster, Posen, Pornos
Zum homosexuellen Männerbild 1945 bis 1998
Gut aussehende Männer, spärlich oder nicht bekleidet, sind heute in den Medien kaum zu übersehen. Film und Fernsehen, Zeitschriften und Fotobände, Kunst und Werbung zeigen alles und manchmal mehr als man sehen möchte. Das war nicht immer so.

Noch in der frühen Bundesrepublik galten Darstellungen nackter Männer (und Frauen) als Verstoß gegen die Sittlichkeit und als jugendgefährdend. Entsprechend zurückhaltend sind die Illustrationen in den Homosexuellenzeitschriften der 50er Jahre. Das erste Nacktfoto in einer bundesdeutschen Homosexuellenzeitschrift erschien 1957 ("Der Weg", Heft 7). Im Zuge der sexuellen Revolution in der zweiten Hälfte der 60er Jahre fiel auch das Tabu der männlichen Aktdarstellung.

In der Gegenwart ist die Abbildung nackter Männer ein florierender Wirtschaftszweig. Perfekte Körper am Strand oder im Swimmingpool, Hochglanzfotos exotischer Modelle, Fotoserien von sexuell erregten Männerpaaren, Großaufnahmen von Genitalien und Geschlechtsakten, sexuelle Spiele mit Masken und Peitschen, in Leder oder Gummi - alles wird gezeigt, nichts ist tabu.

Nicht erst seit dem Auftreten von Aids  wird allerdings hinter Illusion und schönem Schein zunehmend auch die Realität sichtbar: Krankheit, Behinderung, Alter oder Tod werden nicht mehr ausgeblendet und manche der beeindruckendsten Fotos der letzten Jahre haben gerade diese Themen zum Inhalt.

Anhand von Fotos, Zeichnungen und Plakaten aus dem Archiv des CSG versuchte die Ausstellung diese Entwicklung sichtbar zu machen - angesichts des beschränkten Raumes nicht eine wissenschaftlich umfassende Präsentation, sondern ein eher unterhaltsamer Gang durch die Geschichte.

Aus "Der Weg", Nov. 1955