Himmel und Hölle
100 Jahre schwul in Köln. Unsere Dauerausstellung.
In der Fußartillerie-Kaserne Zugweg wird im Sommer 1896 ein Soldat verhaftet, weil in seinem Spind bei einer Durchsuchung der für damalige Verhältnisse hohe Betrag von 100 Mark gefunden wurde. Anlass der Kontrolle ist der Diebstahl von Kantinengeldern. Der Soldat rechtfertig sich damit, dass er das Geld von einem Mann geschenkt bekommen habe, zu dem er „unlautere Beziehungen“ unterhalten habe. „Unlautere Beziehung“ ist eine Umschreibung für homosexuelle Kontakte. In der Kaiserzeit war es nicht unüblich, dass Soldaten ihren kargen Sold dadurch aufbesserten, dass sie gelegentlich der Prostitution nachgingen. Nachfrage nach dieser Art des heimlichen, anonymen Sex gab es genug, schließlich waren sexuelle Handlungen zwischen Männern nicht erlaubt. Der Soldat gibt eine vage Beschreibung seines Gönners und daraufhin wird ein paar Tage später der Kaufmann Albert Mertés, als er in der Nähe des Severinstors auf die Pferdebahn wartet, verhaftet. Bei einer Gegenüberstellung erweist sich allerdings Mertés’ Unschuld.

Gerüchte über diesen Vorfall gelangen in die Öffentlichkeit. Mertés ist gezwungen einen seiner Verleumder vor den Schiedsmann zu laden, wo dieser seine Verdächtigungen zurücknimmt und verpflichtet wird, 100 Mark zum Besten der Armen zu zahlen.

Mit dieser an sich harmlosen Episode beginnt für den Kaufmann Mertés (er besaß zwei Hutläden in der Schildergasse) eine bis 1914 dauernde Auseinandersetzung mit den Kölner Polizeibehörden, dem Kölner Regierungspräsidium und dem preußischen Ministerium des Innern um seine Rehabilitierung, konkret um die Streichung seines Namens aus der Kölner "Liste der homosexuell Verdächtigen". Die Akten zu diesem Fall sind erhalten.

Wer wissen will, wie der Fall ausgeht, kann das in unserer Ausstellung erfahren. Wir zeigen Fotos, Plakate, Texte und andere Dokumente, erinnern an Skandale und den Alltag, an Unterdrückung und Befreiung, an abgerissene Lokale und längst geschlossene Klappen. Ergänzt durch biografischen Skizzen von prominenten und "normalen" homosexuellen Männern zeigen wir ein lebendiges Bild von 100 Jahren schwulen Lebens in Köln.
Büste von Albert  Mertés, Ehrenbürger von Niederbreisig, in seinem Mausoleum in Niederbreisig

1969: Das erste Poster mit dem Motiv eines nackten Mannes (Foto © Peter H. Fürst)