Aufgespießt …
Homosexualität in der Karikatur
Die Ausstellung zeigt, wann und in welchen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen Karikaturisten das Thema Homosexualität aufgegriffen haben, welche Zielsetzungen sie damit verfolgten und welches Bild von der Homosexualität, von homosexuell veranlagten Menschen oder homosexuellen Begegnungen bzw. Erfahrungen in diesen Karikaturen vermittelt wird. Gezeigt werden Karikaturen von der Kaiserzeit (Eulenburg-Skandal) bis zur Gegenwart (Homo-Ehe).

Zum Wesen der Karikatur gehören Parteinahme und Kritik – wir werden der Karikatur als Instrument in der politischen Auseinandersetzung also auch dort nachgehen, wo der Vorwurf Homosexualität erhoben wird, obgleich politische Differenzen gemeint sind. Schließlich soll dargestellt werden, wie sich das Bild der Homosexualität in der Karikatur entwickelt und verändert.

Die Recherchen zur Ausstellung machen deutlich, dass das Thema Homosexualität in der Karikatur bisher noch nicht systematisch erforscht und dokumentiert worden ist. Damit leistet das CSG auch auf diesem Gebiet wieder einmal Pionierarbeit, freilich um den Preis, dass die Ausstellung nicht in der Lage sein wird, eine wirklich repräsentative Auswahl an Karikaturen zu präsentieren. Zu zahlreich und zu häufig erscheinen bzw. erschienen Presseerzeugnisse, in denen die Karikatur ihren festen Platz hat. Sie alle auf unser Thema hin auszuwerten, würde Jahre an Arbeit erforderlich machen.

Die gezeigten Karikaturen stammen im wesentlichen aus einigen ausgewählten Publikationen, viele sind Zufallsfunde. Der karikierenden Behandlung einiger Affären (Eulenburg, Röhm, Kießling) sind wir genauer nachgegangen. Aber vor allem die Beschäftigung der Karikatur mit Themen wie homosexueller Alltag oder Lesben konnte nur in Ansätzen untersucht werden.  Die künstlerische und gesellschaftliche Einordnung der einzelnen Karikaturen konnte nicht immer umfassend erfolgen. Erfreulich wäre es, wenn die Ausstellung dem einen oder anderen Wissenschaftler / der einen oder anderen Wissenschaftlerin Anregungen für systematische Recherchen und Forschungsvorhaben liefern könnte.

Bericht in Einblick, Heft 2/2002


Lotte am Scheideweg (Simplicissimus 1925)

Klaus zu Thomas Mann: "Du weißt doch, Papa, Genies haben niemals geniale Söhne, also bist Du kein Genie." Zeichnung von Th. Th. Heine, Simplicissimus, 9.11.1925

Aha, der MAD ist wieder mit seinen Top-Leuten im Einsatz (Express 1984)